Die Pilz Compact Disc Gruppe

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Pilz Albrechts Pilz Compact Disc
Pilz Albrechts • DE
Pilz Compact Disc • DE
Pilz America • USA
   
 

 

Wie alles begann:

Bei dem Presswerk der Pilz KG drehte sich alles um die schillernde Persönlichkeit des Herrn Rainer E. Pilz. Die Medien liebten ihn und das, was er repräsentierte. Weil er das Symbol des erfolgreichen kleinen Mannes war, der es zum Multimillionär gebracht hatte.
Die Geschichte des Herrn Rainer E. Pilz beginnt damit, dass der in Zwickau geborene Maurer im Jahre 1961 aus der DDR in den Westen floh. Er  wurde dann als Mittelständler im Glas- und Fassadenbau tätig und durch unter anderem Großaufträge in Saudi Arabien, die er erfolgreich abwickelte, kam er persönlich zu Geld, zu sehr viel Geld. Sein Spezialgebiet war der Alluminium-Fassadenbau und das war bei dem Bauboom in Saudi Arabien sehr gefragt.
Rainer E. Pilz
Als er zurück nach Deutschland kam, war gerade das sehr junge "Pflänzlein" Compact Disc frisch gestartet und es "boomte" richtig. Sein angeborener Geschäftssinn witterte die Chance, im CD-Geschäft mitzumischen. Denn es gab kaum Presswerke, die die Silberscheibe herstellen konnten.

Das Presswerk der Pilz KG in Kranzberg (Bayern) - Foto © CD-Museum
1987 In nur wenigen Monaten baute er auf dem flachen Land in Kranzberg (Bayern) ein Presswerk, was bereits 1987 in die Produktion ging. Die Nachfrage nach Produktionskapazitäten für CDs war riesig und sofort schaffte er es, an lukrative Aufträge auch von den Branchenriesen wie PolyGram, EMI und BMG zu kommen
   Die Anschrift des Presswerkes war seinerzeit:

 Pilz Compact Disc KG

 Am Hart 18

 D-8051 Kranzberg/München
 West-Germany

          Bei einem persönlichen Besuch des Inhabers des CD-Museums in der Produktion konnten wir allerdings feststellen, dass es immer wieder Störungen gab, weil im Produktionsablauf auch umfangreich der Werkstoff verbaut war, wo Herr Pilz sich auskannte. Es war Aluminium und was beim Fassadenbau funktioniert, ist in einer industriellen Fertigung nicht immer hilfreich. Denn Aluminium ist nicht verwindungsstabil und gerade dort, wo es darauf ankommt, dass präzise Funktionen gewährleistet sein müssen, führt das dann zu Störungen.
  Paralllel kauft die Pilz-Media-Group Musikrechte, um mit eigenen Musiklabeln die Produktion zusätzlich auszulasten. Dazu gehörten dann nachstehende Marken:
 
  • Golden Legends
  • Golden Classics
  • Jamaican Gold
  • Semea Tropica
 
1988 Da passt es auch ganz gut, dass die Regierung der DDR den technologischen Anschluss an den Westen nicht verlieren will und Pilz mit dem Außenhandelsministeriem der DDR in Ostberlin erste Verhandlungen für den Bau eines CD-Presswerkes in Thüringen führt.
1989 Und dann ist es so weit, das erste deutsch-deutsche Jouint-Venture wird 1989 vereinbart. Mitten in dem Jubel um die Maueröffnung vereinbaren die DDR und Pilz ihr Projekt. Zusammen mit dem DDR-Kombinat Robotron soll Pilz ein großes Werk unter dem Namen "Pilz-Robotron GmbH" in Thüringen errichten, die Kosten betragen fast 300 Millionen West-Mark. Pilz übernimmt ein Drittel der Kosten des Werkes und der Verantwortung. Als Standort wird Suhl festgelegt, aber das führt zu kurzfristigen Störungen der Verhandlungen, weil die Stadt Suhl am vorgesehenen Standort für eine benachbarte Schießsportanlage Beeinträchtigungen befürchtet.
Doch die Lösung kommt schnell, weil der Bürgermeiter des benachbarten Ortes Albrecht ein Wiesengrundstück anbietet. Albrecht wird später im Zusammenhang mit der Gebietsreform nach Suhl eingemeindet.
1991 Im August 1990 segnen die Treuhandanstalt und Bayern die Finanzierung ab. Im August 1991 beginnt der Bau. Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann (FDP) kommt nach Thüringen und setzt den Grundstein für die Pilz-Robotron GmbH. 30 Millionen CDs und 140 Millionen CD-Verpackungen soll das Werk in Kürze herstellen. Politiker aller Parteien sehen in diesem Projekt die große Chance und sehen es als "Aufschwung im Osten".
  Zwischenzeitlich wird Rainer E. Pilz immer mehr zum Liebliing der Medien und seine "Waldspaziergänge" und dabei sicher von ihm medienwirksam zelebrierten Weisheiten zu volkswirtschaftlich wichtigen Themen werden insbesondere von den TV-Sendern gerne aufgenommen. Er wird immer wieder als Vorzeigeunternehmer zum Thema Aufbau Ost der Welt präsentiert.
1992 Die Fertigstellung des Werkes schreitet voran und so beginnt 1992 schrittweise mit 230 Mitarbeitern der Probebetrieb.

Die Mitarbeiter stammen weitestgehend aus der Region, wo eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht. Da natürlich auch spezielle Kenntnisse für die Herstellung der CDs erforderlich sind, waren diese Mitarbeiter von dem Unternehmer Rainer E Pilz im Stammwerk in Kranzberg für ihre neuen Aufgaben ausgebildet worden. Somit beherrschten sie durchhaus die technische Seite ihrer Arbeit.
Rainer E. Pilz im Foyer des neuen Presswerkes in Suhl-Albrecht
Rainer E. Pilz im Foyer des Presswerkes in Albrechts
1993 Dann ist es so weit, am 5. Mai 1993 startet das Werk offiziell seine Produktion. Wieder ist die Politprominenz vor Ort. Bundeswissenschaftsminister Matthias Wissmann (CDU) und Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) begrüßen die Fertigstellung in der üblichen Art und mit großen Worten. Dazu gehörte, das neu eröffnete Werk als ein positives Beispiel für den Aufbau Ost zu bezeichnen.
1993 Parallel zu dem neuen Werk in Thüringen baut Pilz mit seinen Söhnen aber auch seine Aktivitäten international aus.
In den USA wird ein Werk in Concordville, Pennsylvania errichtet. Hierfür wird eine Investititonssumme von 12 Mio. US $ mit einem nicht unerheblichen Anteil auch von örtlichen staatlichen Stellen eingesetzt.

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  Am 9. Juli 1993 ist das neue Werk offiziell fertig gestellt und  die Pilz America, Inc. mit 65 Mitarbeitern wird gestartet.

Etwa 20 Prozent der zunächst geplanten Jahresmenge von 8 Millionen Disc sollten Eigenproduktionen der Musiklabels der Pilz-Gruppe werden.
 Die Anschrift des Presswerkes war seinerzeit:

 Pilz America, Inc.

 54 Conchester Road

 Concordville, PA
 USA

  Bereits auf der Eröffnungsfeier werden auch schon mögliche Ausbaupläne in den nächsten ein bis zwei Jahren auf eine Jahresproduktionsmenge von 30 bis 40 Millionen CDs gehandelt. Auch weitere Werke in den USA schließt Rainer E. Pilz als Antwort auf eine entsprechende Frage mit den Worten "I think now, this one is good," nicht aus.
 1993 Was bei all den Aktivitäten des Herrn Rainer E. Pilz niemand zu dem Zeitpunkt wusste, war die Tatsache, dass er und seine Firmengruppe eigentlich schon 1993 insolvent war. Und der Grund lag in der Öffnung der Mauer zur DDR. Denn sein Partner für das Projekt des CD-Presswerkes, die Robotron, war von der Treuhand liquidiert worden und so musste Pilz das Werk in Suhl-Albrecht allein finanzieren und fertigstellen. Auch die erwartete erhöhte Nachfrage nach zu replizierenden CD-ROMs blieb aus und so musste er mit der Bayrischen Vereinsbank und anderen Kreditinstituten eine "Sanierungsvereinbarung" im März 1994 unterzeichnen.
Bereits im Oktober 1993 hatte er und seine drei Söhne sämtliche Firmenanteile als Pfand an die Bayrische Vereinsbank übergeben müssen und später kam noch eine persönliche Bürgschaft über 15 Millionen DM dazu.
  Das Werk in Albrechts übernahm dann im Oktober 1993 das Land Thüringen. Sie setzte dafür die bm-t (beteiligungsmanagement thüringen gmbh) ein, eine Tochtergesellschaft der Thüringer Aufbaubank und damit war Pilz auch hier nicht mehr im Geschäft. Diese Übernahme führte dann wegen der finanziellen Hilfen später zu langwierigen Prozessen mit der EU, mit der Forderung der Rückzahlung der staatlichen Unterstützung. Denn hier waren etliche Millionen Steuergelder zur Rettung des Werkes geflossen.
1994 Als dann in der Pilz-Gruppe Mitte 1994 erneute Finanzierungsprobleme auftauchten, drehten die Banken den Geldhahn zu und Rainer E. Pilz wurde aufgefordert, einen Käufer für die Gruppe zu suchen. Es fanden sich auch etliche Interessenten und zum Schluss war dann eine Bietergruppe, die sich zur CMI zusammen geschlossen hatte, der Übernahmekandidat. Doch auf den letzen Poker kurz vor Vertragsunterzeichnung gingen die Banken nicht ein und damit war die Gruppe insolvent. Auch das Lager mit über 30 Millionen CDs war nichts mehr wert.
  In dem Zusammenhang tauchte dann auch eine Betrugsmasche von Pilz auf, der offensichtlich immer wieder Lohnaufträge genutzt hatte, sogenannte Überproduktionen herzustellen, die er auf eigene Rechnung verkaufte. Und das, obwohl er den Kunden immer mitgeteilt hatte, Restmengen und die Werkzeuge vernichtet zu haben. Durch den Hinweis eines Mitarbeiters wurde auch ein lukkratives Geschäft des Konkursverwalters "vermasselt", da eine schnelle Kontrolle der Rechteinhaber im Werk von den Majors PolyGram und EMI riesige Mengen solcher Disc fanden, die somit nicht mehr für eine Vermarktung zur Verfügung standen.
1995 Bereits im Herbst 1995 wird Pilz verhaftet und in einem langwoerigen Prozess wegen Suventionsbetrug und Verwendung beantragter Mittel und Kredite für andere Zwecke, auch zur Sanierung seines Schlosses in Bayern und sein Anwesen am Gardasee hat er die Gelder genutzt. Aber die Hauptsummen wurden zur Stopfung von Finazlöchern in der Gruppe genutzt und so wird Reiner E. Pilz zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine Revision beim Bundesgerichthof wird 1999 abgeschmetttert
1996 Das Werk in Kranzberg musste am 28.06.1995 Konkurs anmelden und durch die Verwaltung der Banken dauerte es noch bis 1996, bis dann endgültig buchstäblich "die Lichter ausgingen".
Das Werk in Concordsville in den USA wurde ebenfalls im zweiten Halbjahr 1996 endgültig geschlossen, auch weil sich kein Käufer für das Werk fand.
Die Geschichte des der Pilz-Group ist damit Vergangenheit, aber das Werk in Suhl-Albrecht gibt es immer noch und ist unter dem Namen CDA GmbH weiter im Markt aktiv und zählt zu den bedeutenden Werken in Europa
.
 

 

Noch mehr Informationen gefällig?

Gut, es wird in der Bildergalerie nach Fertigstellung noch einige interessante Beispiele geben, die bei Pilz hergestellt wurden und entsprechend "gelabelt" sind.

Das hier abgebildete Exemplar ist eine Sonderedition für das Königshaus von Saudi-Arabien und sie wurde hergestellt, damit alle Mitglieder des Königshauses eine komplette elektronische Ausgabe des Korans ständig verfügbar haben.
Und der Auftrag zur Replikation dieser Disc ging an Pilz, weil hier die alten Verbindungen aus den Zeiten seiner Bautätigkeit im Fassadenbau in Saudi Arabien immer noch nachwirkte.
 
 

 

Der aktuelle Stand:

Das Werk in Kranzdorf (Bayern) gibt es nicht mehr. Oder doch, denn mitten in der Landschaft gelegen, ohne Wohnbebauung im direkten Umfeld, kann man damit auch etwas anderes machen. Und das hat man getan, denn in den ehemaligen Werkshallen ist seit Jahren ein Go-Cart-Anlage installiert. Und so "knattern" dort heiße bezingetriebene Öfen Runde für Runde.
Und Disc gibt es höchstens noch, wenn da jemand zur Musikbeschallung eine dieser Scheiben in den Player steckt, um den Motorensound klangtechnisch zu unterstützen, oder auch zu übertönen. Ganz so, wie es der Sichtweise entspricht.
 
 
Weitere Informationen werden nach Fertigstellung hier noch nachgearbeitet. Insbesondere geht es dabei um vorhandene Belegmuster aus der Zeit, als die Pilz KG noch zu den aktiven Presswerken im Markt gehörte. Das wird dann wohl hauptsächlich die derzeit noch gesperrte Rubrik der Bildergalerie sein.
 

 
Ergänzende Informationen im Überblick werden noch nachgearbeitet.