Tatort: Messe IFA in Berlin 1995

Der Standard DVD hat seine Ursprung in den auf der Messe IFA in Berlin (27.08.-05.09.1995) vorgestellten Disc der MultiMedia CD Alliance (MMCD) und der SD Digital Video Disc Alliance (SD-Disc). Beide Gruppen hatten auf der Messe ihre Lösungen zu dem Anforderungsprofil des Digitalen Bildplatten Beratungsausschusses der Unterhaltungsindustrie präsentiert, fanden aber keine eindeutige Akzeptanz der Filmindustrie und weiterer Content-Inhaber.

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Bereits zum Start der Messe erging an beide Gruppen die Aufforderung, einen gemeinsamen Standard zu entwickeln. Parallel zur Messe fanden in Tokyo dann die Gespräche statt, obwohl auf der Messe beide Gruppen ihre Systeme als Zukunftslösung bewarben. Und am letzten Tag der Messe, am 05.09.1995 kam dann aus Tokyo die erlösende Botschaft. Mit einer Presseerklärung vom gleichen Tage wurde der gemeinsame Standard DVD mitgeteilt.
Weitere Informationen zur MMCD und SD-Disc finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Hinweis: In der Fachpresse und auch auf einem großen Online-Wissensportal taucht als Datum der Presseerklärung zum gemeinsamen Standard immer wieder der 15.09.1995 auf. Das Datum ist definitiv falsch und wird durch ständige Wiederholung nicht richtiger. Aber solche Fehler kommen zustande, wenn ungeprüft Informationen übernommen werden, weil deren Richtigkeit vorausgesetzt wird.


 

Die DVD und die Namensfindung

Bei der Festlegung des Kürzels DVD hatte man zwischen den beteiligten Gruppen verabredet, den Begriff immer in Zusammenhang mit dem Einsatzbereich zu verwenden und somit DVD-A, DVD-V. DVD-ROM und weitere Begriffe einzusetzen. Schon bei den ersten Pressekonferenz kamen dann die Nachfragen, die auf eine begriffliche Erklärung der drei Buchstaben zielten. Spontan wurde dann DVD als Abkürzung für "Digital Video Disc" erklärt.
Doch schon nach kurzer Zeit stellte man fest, dass dieser Begriff eine Verwendungsmöglichkeit der DVD zu sehr einschränkte und änderte die Definition auf "Digital Variable Disc", um eben von dieser Einseitigkeit wegzukommen. Da auch dieser Begriff nicht treffend genug erschien, einigte man sich schließlich auf "Digital Versatile Disc".
Aktuell ist es wohl ziemlich gleichgültig, was die drei Buchstaben bedeuten, denn umgangssprachlich ist die verkürzte Form zum Standard geworden.

Und um die Historie abzurunden, der Begriff DVD wurde nicht erst mit der Namensfindung als gemeinsamer Standard mit dieser Pressemitteilung gefunden, sondern als Arbeitstitel wurde er bei der Entwicklung der beiden Standards von den beteiligten Konsortien auch bereits verwendet. Das ist auf die Aufgabenstellung bei der Schaffung von Lösungen zurückzuführen, die ja auch eine Video-Disc als Hauptziel hatte. Dass mit Schaffung einer solchen Disc auch weitergehende Möglichkeiten verbunden sind, lag eigentlich auf der Hand. Und da das Ergebnis wohlklingende Namen haben muss, wurde dann aus der DVD zur erstmaligen Marktvorstellung eben die SD-Disc und die MMCD. Erst bei der mehr oder weniger erzwungenen Einigung auf einen gemeinsamern Standard erinnerte man sich an den Arbeitstitel und verwendete ihn dann für diese Technologie.

Eine kleine kuriose Geschichte gibt es allerdings doch noch zu dem Thema: In dem neuen DVD-Konsortium hatte Toshiba einen großen Anteil und es heißt, dass etwa 83 Prozent der Patente zu dem DVD-Standard von Toshiba stammen sollen. Und wir kennen ja alle den Perfektionismus, den aus der Geschichte Japaner gerne anstreben.
Und so kam es, dass Toshibas seinerzeitige Präsident den Auftrag erteilte, auch eine "eingedeutschte Version" des Begriffes DVD zu schaffen. Die beauftragten Mitarbeiter fanden sehr schnell Lösungen für die ersten beiden Buchstaben, aber der letzte Buchstabe bereitete Schwierigkeiten. Daher ließ sich Toshibas Präsident ein Lexikon "Englisch/Deutsch" geben und suchte dann selbst ein passendes Wort und wurde auch fündig. Die Lösung lautete dann "Digital Vielseitig Dauerhaft". Ein Begriff, den Toshiba dann auch für einige Zeit als Untertitel in der Werbung für den deutsprachigen Raum verwendete.
 


 
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