Zwei Disc-Formate, die nie eingeführt wurden

MMCD und SD-Disc? Diese beiden Begrifflichkeiten werden den wenigsten Mitmenschen überhaupt etwas sagen. Und trotzdem, ohne diese beiden Formate gäbe es die heutige DVD und auch die Blu-ray nicht!
Der Ursprung beider Formate lag in der der Vorgaben des Digitalen Bildplatten Beratungsausschusses der Unterhaltungsindustrie, eine Disc zu schaffen, die eine Kapazität von 135 Minuten hochqualitativer Videoaufzeichnungen mit Dolby AC-3 (5.1 Kanal Ton, 3 Audio-Tonspuren für Sprachen und 4 Sprachen im Untertitel) auf einer 12-cm-Scheibe (also im CD-Format) unterzubringen.
Es war dann die Messe IFA 1995 in Berlin, wo das Ergebnis vorgestellt wurde. Und es gab nicht nur eine Lösung, sondern es wurden von zwei Gruppen mit unterschiedlichen Ansätzen, allerdings beide mit der Datenkomprimierung des MPEG-2-Verfahrens, die Ergebnisse der Entwicklungen präsentiert:
 
  Bezeichnung: MultiMedia-CD (MM-CD)
Systempartner: Philips mit Sony
Konsortium: • 3M • Acer Peripherals • Aiwa • ALPS • Aztech • Bang&Olufsen • Columbia Tristar Pictures • Digital Audio Disc Corporation (DADC) • Egg Pictures • Gateway 2000 • Grundig • Interscope • Island Pictures • JVC (Karaoke) • Lion Optics Corporation • NEC Home Electronics • Ricoh • Marantz • Mitsumi • NEC Home Electronics • NOKIA • pdo • Philips • PolyGram Filmed Entertainment • Propagana • Sony • Sony Pictures Classics • Sony Pictures Entertainment • Sony Tristar Pictures • TEAC • Tristar Pictures • Triumph Films • Wearners Peripherals • Western Digital Corporation
Stand: 26.08.1995
Bezeichnung: Super Density Disc (SD-Disc)
Systempartner: Toshiba mit Time Warner
Konsortium: • Akai Electric • Alpine Electronics • Asahi Chemical Industry • Hitachi • Matsushita Electric Industrial (Panasonic) • MCA • Metro-Goldwyn-Meyer • Mitsubishi Electric Corporation • Nippon Columbia (Denon) • Onkyo Corporation • Pioneer Electronics Corporation • Pioneer LDC • Plasmon • Samsung Elektronics • SKC • Time Warner • Thomson multimedia • Toray Industries • Toshiba Corporation • Toshiba-EMI • Turner Home Entertainment • Victor Company of Japan (JVC) • Zenith Electronics
Stand: 26.08.1995
Quelle: Presseunterlagen zur Messe IFA 1995 in Berlin
 

Und wie wurden diese Vorschläge dann aufgenommen?

Zunächst einmal wurde auf der Messe IFA im Jahre 1995 sowohl im Publikumsbereich, als auch auf den Messeständen im Händlerbereich beide Systeme präsentiert und die jeweils eigenen Vorteile besonders beworben und so entstand auch dann aus dem beginnenden "Krieg der Systeme" eine Art von Wettbewerb, welches der Systeme denn besser wäre.
Als die eine Gruppe begann, die Layer-Technologie herauszustreichen, wollte die andere Gruppe nicht zurückstehen und begann, mit Ansage vorzuführen, wie deren Player von Layer eins auf Layer zwei umschaltete. Mit Ansage bedeutete, dass der Moderator von zehn rückwärts zählte und bei null angekommen, startete eine andere Filmsequenz. Natürlich ist es schon komisch, wie jemand durch manuelle Ansage auf den Punkt den Layerwechsel voraussagen kann. Doch hier möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen, wie weit da der Systemkampf eine Rolle spielt...
Viel wichtiger war allerdings, dass bereits in den Tagen vor dem Messestart eine klare Ansage von der Filmindustrie und auch der Computerbranche an beide Gruppen gerichtet wurde, sich auf ein gemeinsames Format zu einigen. Und so begannen dann in Tokyo geheime Verhandlungen hinter geschlossenen Türen. Es war allerdings strengstens untersagt, hiervon auf der Messe etwas zu erwähnen, damit die auf zwei Formate basierende Messe-Präsentation nicht durch vorschnelle Berichte gestört wurde.
Und dann endlich, am letzten Tag der Messe, also am 05.09.1995 kam mit einer Presseerklärung aus Tokyo die erlösende Botschaft: Der gemeinsame Standard ist gefunden und heißt DVD. Geplant war allerdings, diese drei Buchstaben DVD immer nur durch die Verwendungsformen Video (DVD-Video), Audio (DVD-Audio), Recordable (DVD-R) und weitere zu erklären.
Allerdings hinterfragte die Presse penetrant diese drei Buchstaben und so kam dann unvorbereitet die Erklärung, DVD steht für "Digital Video Disc". Da diese Definition verkürzt war, einigte man sich dann auf "Digital Variable Disc". Aber auch diese Erklärung passte nicht und so wurde es dann "Digital Versatile Disc", also sozusagen die digitale und vielseitige Disc.
 

 
Bildimpressionen zur MM-CD und SD-Disc...

Die Inhalte sind noch nicht aufbereitet, sorry!
 

 
Einige Pressematerialien zum Thema sind da natürlich auch nicht falsch. Hier zum Thema MultiMedia-CD:

Densities - Issue No.2 - Juni 1995

Publikation "Densities" der Philips Electronics
Ausgabe 2 - Juni 1995

Zur Anzeige der Einzelseiten in Bildschirmgröße rechts auf eine der Seiten klicken.


Als PDF-Datei bitte hier öffnen:
PDF Densities No2

     

Die Inhalte der durchgestrichenen Rubriken sind leider noch nicht aufbereitet, sorry!