Optische Leckerbissen und mehr

Eine CD oder DVD ist rund und vollflächig bedruckt. Falsch, ganz abgesehen davon, dass eine DVD ja auch doppelseitig sein kann und dann der Labeldruck nur im Innenbereich, dem sogenannten Spiegel, möglich ist. Hier in diesem Bereich wollen wir uns einem Nischenprodukt zuwenden, das auch gerne zu Werbe-/Promotionzwecken eingesetzt wurde und wird, weil eben die optische Seite ein wesentlicher Bestandteil der Disc darstellt. Wir meinen hiermit die formgeschnittenen und teildurchsichtigen Disc. Auch zur Kathegorie der Sonderformate gehört noch die duftende Disc.
 
 
Außerdem gibt es natürlich auch noch obscure bis praxisnahe Disc-Versionen, wo der Labeldruck eine zusätzliche Funktion übernimmt, die Oberfläche mal nicht bedruckt ist, oder beispielsweise mit natürlichen Materialien beklebt wurde. Auch eine Individualisierung der Disc ist möglich und mittels eines eingebauten Chips kann die Möglichkeiten der RFID-Technologie genutzt werden.
 

Zunächst eine Richtigstellung

Wenn immer wieder gerne von den sogenannten Shape-CDs gesprochen wird, ist das sachlich eigentlich falsch, weil der Begriff Shape-CD ein geschützter Name ist. Es ist vergleichbar mit den beliebten Tempo-Taschentüchern, wenn wir Papiertaschentücher meinen, oder dem Tesafilm, wenn es um Selbstklebefilm geht. Oder auch Plexiglas, wenn es Acrylglas ist, oder Nirosta-Stahl, wenn wir Edelstahl meinen.
Tempo, Tesafilm, Plexiglas und Nirosta sind geschützte Markennamen, die zu Gattungsbegriffen wurden. Gleiches gilt auch für die Shape-CD und die entsprechenden anderen Disc-Formate.
 
Gut, wir wollen versuchen, hier einen Überblick der verschiedenen Möglichkeiten zu schaffen und hierbei auch vorhandene Beispiele präsentieren.
 
 

Variante 1: Die formgeschnittene Disc

In der Welt der Vinylscheibe ist die formgeschnittene Disk ja schon lange bekannt und wurde in Verbindung mit bildhaften Motiven in der Vergangenheit immer mal wieder eingesetzt. Die Compact Disc war zunächst vor solchen "Entwicklungen" unberührt geblieben, weil die nachträgliche Bearbeitung technologisch sich als äußerst schwierig darstellte.
Erst 1995 wurde von Mario Koss und Axel Wilhelm in Berlin ein Verfahren entwickelt, die das nachträgliche "shapen" einer CD oder DVD ermöglichte. Daher nannten sie das Produkt auch Shape-CD und ließen sich diesen Namen schützen. Und die Firma Pikosso aus Berlin von Mario Koss war dann auch die erste, die solche formgeschnittenen CDs auf den Markt brachte.
Daraus entwickelte sich dann über den Produktionsbetrieb cuba Jahre später auch die Firma Best of GmbH, die die Markenrechte übernahm und die Aktivitäten auf eine internationale Produktion und Vermarktung ausdehnte. Es wurden auf Basis der Shape-CD weitere Produkte für spezielle Einsatzgebiete entwickelt, wobei hier insbesondere auch die Ticket-CD erwähnt werden sollte.
Der Einsatz der Ticket-CD erfolgte für Konzerte und besondere Events und die Disc hatte eine durchnummerierte Abbruchkante zur Eingangskontrolle. Als Inhalt wurde gerne ein besonderer Musiktrack, oder auch einige Worte der Band - teilweise visualisiert - eingesetzt, um eine zusätzliche Bindung und den Zusatznutzen dieser besonderen Eintrittskarte zu verdeutlichen.
Muster mit Markierung
für den Schneidlaser

Muster gleiches Motiv
formgeschnitten (Sonopress)
Auch andere Presswerke nutzten die Technologie, um ihren Kunden formgeschnittene Disc anzubieten. Allerdings wurden dann andere Namen für das Produkt gewählt (Beispiel: Cut-CD bei Sonopress), um den Namen Shape-CD nicht zu verwenden. Aufträge für solche Produkte kamen meistens immer dann, wenn es darum ging, besondere Aufmerksamkeit zu erreichen.
Auch die Visitenkarten-CD wurde zu einem der wesentlichen Produkte, weil sie auch gleichzeitig mit Inhalten punkten konnte. Beispielsweise eine Präsentation des Unternehmens, oder das persönliche Leistungsangebot des Visitenkarten-Inhabers waren  und sind Nutzungsmöglichkeiten.
Muster Shape-CD (Best of...) Muster Ticket-CD (Best of...)
Technologisch ist eine formgeschnittene CD oder DVD erst einmal eine völlig normale Disc, die in der bekannten runden Form mit 12cm Durchmesser repliziert wird. Jeder dieser Disc muss eine Markierung haben, wo dann später der motivgesteuerte Laser ansetzen kann, um die gespeicherte Form auszuschneiden.
Zu beachten ist hierbei aber, das bei der Gestaltung der später vorgesehenen Form die Mindestgröße eingehalten werden muss, die dem Platzbedarf für das Datenvolumen der Abspielseite entspricht. Außerdem sollten mehrere Anlegekanten vorhanden sein, die den Normalkonturen der CD entsprechen, um eine mittiges einlegen der CD in den Player zu ermöglichen.
Wegen der hohen Abspielgeschwindigkeiten der Disc, insbesondere bei der Version als DVD entsteht allerdings eine Unwucht, die hohe Laufgeräusche und eine extreme Belastung der Laufwerke bedeuten. Um das zu vermeiden, ist es möglich, die Motivgestaltung und die geplante Form möglichst symetrisch vorzunehmen.
Zu beachten ist der allgemeine Warnhinweis, solche formgeschnittenen Disc nicht in Computer-Laufwerken und Auto-CD-Playern zu betreiben. Insbesondere dann, wenn hier "Slot-In-Laufwerke" vorhanden sind. Bei Nichtbeachtung ist eine Beschädigung der Laufwerke zu erwarten.
Nachtrag vom Juli 2015: Die Marken- und Patentrechte der Shape-CD® liegen seit Mai 2015 aktuell wieder dort, wo man vor Jahren diese spezielle Art der Disc auch erfunden hat. Die Firma Media-Lobby in Berlin (mit dem ehemaligen Gründer der Firma Pikosso) hat die Produktion und Vermarktung von dem Inhaber der "Best Of.. GmbH" übernommen.
 
 
 

Variante 2: Die teildurchsichtige Disc

Bei diesem Disc-Format wird wie bei der formgeschnittenen Variante der Vorteil genutzt, dass die Inhalte von innen nach außen ausgelesen werden. Außerdem wird nur der Teil der Disc in der Produktion verspiegelt (gesputtert), der auch Inhalte hat und dadurch bleibt der Restbereich der Disc durchsichtig.
Hierbei wird die Regel genutzt, dass eine Single- oder Maxi-CD maximal 20 Minuten Audio enthalten können und hierfür wurde ein eigenes Sputtering-Verfahren entwickelt, wobei eben nur dieser Bereich mit der üblichen Refelexionsschicht ausgestattet wird.

Und diese Durchsichtigkeit des optisch klaren Polycarbonates kann in Verbindung mit einem passenden bildhaften Labeldruck eben zu den gewünschten Effekten führen. Und genau dieser Vorteil führt dann zu einer filigranen Optik, die oft durch einen passenden Hintergrund des bedruckten Inlays erst richtig zur Wirkung kommt.
Muster Abspielseite (MPO)
Muster Labelseite (MPO)
Dabei kann es auch sein, dass das Polycarbonat eingefärbt wird, was die Möglichkeiten der optischen Gestaltung der Disc erweitert.
 
 
 

Variante 3: Die "duftende" Disc

Sie sehen frisches Obst und sie riechen es, die frisch gebrühte Tasse Kaffee lockt mit ihrem eindeutigen Geruch, eine leckere Schokolade wurde geöffnet und verführt zum Genuss. Sie fragen sich, was hat das mit der Disc-Technologie zu tun? Ganz einfach, je mehr Sinne bei einem Produkt angesprochen werden, umso mehr lassen wir uns dafür begeistern. und genau da gibt es die CD, DVD oder auch BD, die eben den Geruchssinn auch ansprechen kann.
Geht nicht, gibt es hier nicht. Und womit wurde das erreicht? Die Disc wird nach Fertigstellung des Labeldrucks mit einem weiteren Druck ausgestattet, der eben diese Geruchspartikel enthält. Freigesetzt wird der Geruch, wenn man die Oberfläche etwas mit dem Finger reibt. Sofort haben wir den Geruch in der Nase, der diesem Produkt entspricht. Und so kommt zu der Abbildung des beispielsweise aufgedruckten Apfels auch der entsprechende Geruch dazu. Nur reinbeißen ist in diesem Fall nicht anzuraten.
Und da gibt es schon schöne Beispiele, sowohl optisch, wie auch im Hinblick der angeregten Geruchsnerven.
Frischer Apfel gefällig?
(© Sonopress)

Geruch von Cola-Brause
(© Prefix)

Natürlich ist die "Geruchs-Disc" nicht unbedingt etwas, was der Mensch braucht. Aber eingesetzt als Werbemittel kann diese Disc durch die Reize an den Geruchssinn sehr viel intensiver die Botschaft verkünden: Hallo, hier kannst du Dich wohlfühlen. Denn eine Werbebotschaft funktioniert um so besser, je mehr Sinne angesprochen werden.
 
 

 

Variante 4: Die CD, die auch eine Vinylscheibe ist

Eine CD, abspielbar auch auf dem analogen Vinylplattendreher! Unmöglich? Nicht ganz, denn das geht tatsächlich. Nicht mit jeder CD, aber es gibt eine Technologie, die genau dies ermöglicht. Vorgestellt wurde diese Technologie mit ersten Mustern auf der Messe "PopKomm 2007" von dem Presswerk optimal media aus Röbel (Deutschland).
Die Grundidee von optimal media basiert auf der Tatsache, dass eine Schallplatte eine Rille benötigt mit den Auslenkungen, die dem Tonabnehmer die notwendigen Informationen liefert, um daraus das elektrisch umgewandelte Signal zur Musikwiedergabe bereitstellen zu können. Und technologisch gesehen ist die CD mit den 12cm Durchmesser durchaus geeignet, um bis zum Abschaltpunkt einer Schallplatte einige Minuten Musik unterzubringen.
Nun hat man bei der technischen Umsetzung für diese Idee nicht einfach eine Vinylplatte mit einer CD zusammengeklebt, denn das hätte die Standards der CD mit 1,2mm Dicke gesprengt.

Die Vinyl-Seite der CD

Das Cover der Vinyl-Disc
Da optimal media über eine langjährige Erfahrung auch im Bereich der Vinylherstellung besitzt, hat man dieses Wissen genutzt und durch einen dreidimensionalen Labeldruck die notwendige Struktur einer Vinylscheibe hergestellt. Und auch optisch glaubt man eine Mini-Schallplatte vor sich zu haben. Und der notwendige Adapter zur Anpassung auf das kleinere Innenloch des Plattenspielers wird mitgeliefert. Die Kombination aus
Compact Disc und Vinylscheibe auf dem Plattenteller

(Bilder © optimal media)
Nur ein Gimmick? Wir glauben, es ist viel mehr und gleichzeitig eine Möglichkeit, einen Brückenschlag zweier Systeme mit hohem Aufmerksamkeitswert zu ermöglichen.
In der Detailübersicht haben wir dann auch die Disc mit aufgeführt, die wie eine Vinylscheibe aussehen. Diese sind allerdings reine optische Medien für den CD-Player. Aber der Effekt ist schon verblüffend, denn das Label ist in Vinyl-Optik gestaltet.
     
 
 
 

Variante 5: Disc mit anderen Oberflächen

Kreativität gepaart mit sachlichem Nutzen, das wäre eigentlich der Untertitel zu dieser Gruppe. Denn die Oberfläche der beduckten Disc, also die Labelseite, ist mehr als nur die Fläche, die etwas zum Inhalt der Disc sagt. Neben den praktischen Lösungen die mit dem Tampodruck, Siebdruck, Offsetdruck oder digitalem Druck hergestellt werden, gibt es weitere Varianten, die das Medium CD, DVD oder Blu-ray für Einsatzzwecke perfekt gestalten hilft, die über die reine Gestaltung hinausgehen.
In diese Gruppe gehören einmal die Disc mit besonderen Label-Oberflächen in Drucktechnologien, aber auch der Einsatz für Zielgruppen wie beispielsweise für Blinde, wo auch die schönste Optik nicht hilfreich wäre und stattdessen die Blindenschrift (Braille-Schrift) erforderlich ist.
         
         
 
 
 
 

 

Variante 6: RFID, die Disc kommuniziert

Die kleine 12cm-Scheibe kann mehr, als man normalerweise vermutet. Natürlich nur, wenn sie entsprechend ausgestattet ist und dann ist sie eigentlich absolut sicher. Die Rede ist davon, der Disc einen Chip einzupflanzen, der es ihr ermöglicht, mit entsprechenden Lesegeräten zu interagieren. Das kann beispielsweise bei extrem hochweriger Software und anderen Inhalten der Fall sein, die vor Raupkopien geschützt werden soll und die nur funktioniert, wenn sie an bestimmten technisch ausgestatteten Arbeitsplätzen verwendet wird.
Es kann aber auch en Zugangskontrollsystem für eine individualisierte und somit personenbezögene Öffnung von Räumen oder Sonderbereichen sein, mit namentlicher Begrüßung im Eingangsbereich. Dazu muss die Disc noch nicht einmal vor irgendwelche Lesegeräte oder Scanner gehalten werden, weil hier auch der Datenaustausch über gewisse Entfernungen möglich ist.
     
     
     
 
 

 

Variante 7: Optische Effekte mit Hologrammen

 
     
     
 
 

 

Variante 8: Das Label mit Schrift und Grafik, mal nicht gedruckt.

Ja, das geht und da muss auch nicht nachträglich jemand die Disc beschriften, um den Inhalt unterscheiden zu können. Der Trick ist eigentlich ganz einfach und dabei wird die Tatsache genutzt, dass die Verspiegelung der auszulesenden Daten ja auf der Labelseite vorgenommen wird und die schützende Kunztharzschicht für den normalerweise folgenden Labeldruck durchsichtig ist.
 
   Labelseite Abspielseite
 
 

 

Variante 9: Weitere Disc, die einfach anders sind

In dem kleinen runden Scheibchen von 8cm bzw. 12cm Durchmesser stecken weit mehr an Möglichkeiten, als die Erfinder zur Einführung der Silberscheibe geplant hatten und man über die Jahre der Weiterentwicklung diverser Formate normalerweise erwartet. Gut, jeder kennt die Disc als Musik-CD, als Disc mit Video-Inhalten und als Datenträger für Fotos, Texte und Programme.
Aber oft ist es die richtige Idee und auch möglicherweise eine Anforderungen aus dem Bereich der Lizenzsicherung. Oder auch nur die reine Freude am Experiment, das dann zu Ideen für zusätzlichen Lösungen führt. Dadurch wurden der Disc etliche weitere Nutzungsmöglichkeiten eröffnet, ohne das diese auch alle tatsächlich in der Serienproduktion angekommen sind. Aber die Option ist durch diese "Spielwiese der Experimente" vorhanden. auch wenn deren Lösung manchmal "skurril" erscheinen mag.
 Die individualisierte Mailing-CD (© Prefix)  Die Bierdeckel-CD mit echtem Papierfilz (© Prefix)  CD als Korkuntersetzer
(© Prefix)
 CD mit Schottenröckchen
(© Prefix)
 CD mit echtem Holzfurnier
(© Prefix)
 
Von diesen Lösungen hat es die Mailing-CD geschafft, auch zur Vermarktung eingesetzt worden zu sein. Aber es soll einfach nur aufzeigen, welche Vielfalt technologisch möglich ist und es kommen durchaus anprechende Ergebnisse dabei heraus.
 

 
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