Der "fast" missglückte Marktstart der Compact Disc 1982 in Japan!

Die Einführung der silberfarbenen Compact Disc erfolgte ja am 01.10.1982 in Japan. Erst zum 01.03.1983 folgte dann Europa und am 01.08.1983 war es dann auch in Nordamerika so weit.
Die Entscheidung, die Markteinführung dieser Technologie zunächst in Japan vorzunehmenm, hatte vorrangig zwei Gründe.
Es war zunächst einmal als eine Geste der Partnerschaft zwischen Philips und Sony zu verstehende Entscheidung, die CD vor allen anderen Ländern zunächst in Japan einzuführen. Außerdem war es ein guter Testmarkt, weil die Japaner technischen Dingen sehr aufgeschlossen begegnen. Daher konnte man auf diesem regional abgegrenzten Markt schon erkennen, ob diese neue Technologie ihren Markt finden würde.  

© 2016 CD-Museum

Doch was bei der Vorbereitung zum Marktstart fehlte, waren die Disc und logischerweise ist eine solche Technologie nur mit ausreichend verfügbarer Software überhaupt marktfähig. Fast in letzter Sekunden kam das Presswerk der deutschen PolyGram zur Hilfe und schickte 200.000 CDs nach Japan und damit war der Start gerettet.  

Doch was war geschehen und warum war diese Hilfe überhaupt erforderlich. Nachstehend die Kurzform einer Erklärung, die wir auch in dem kleinen Video thematisieren:

CD-Produktion in Japan

Bekanntermaßen ist Japan und insgesamt der asiatische Kulturkreis einer langen Tradition verpflichtet, die auch weite Teile des täglichen Lebens beeinflusst. Das erleichtert sehr viele grundsätzliche Fragen des Zusammenlebens
Diese Tradition und globalen Lösungsansätze führen aber in den meisten Fällen dazu, alle neuen und bisher noch nicht geregelten Anforderungen gradlinig anzugehen. Vereinfacht ausgedrückt, das Ziel wird ins Visier genommen und eine Lösung erwartet.

Die CD-Herstellung war extrem kompliziert, weil es die Hochtechnologie der heutigen Zeit noch nicht gab und insbesondere der Stamper wurde da "nach Gefühl" in die Spritzpress-Maschine eingebaut und zentriert. Erst nach Vorlage der fertigen CD konnte geprüft werden, ob der Einbau korrekt erfolgt war. Das führte natürlich in fast allen Fällen zu Passerproblemen und zu einem Ergebnis, dass nur etwa drei Prozent Nutzen aus der Produktion entstand.
Also, somit war der Großteil der Produktion nicht zu vermarkten, weil die CDs eben nicht abspielbar waren.
  CD-Produktion der PolyGram

Natürlich sind die Europäer und somit auch unsere deutschen Vorfahren nicht erst gestern aus dem Wald gesprungen. Doch die Völker und Stämme in Europa haben über die Jahrhunderte etliche Völkerwanderungen erlebt, mussten sich somit auch ständig an neue Nachbarn und Bedingungen gewöhnen.
Das hat dazu geführt, bei neuen Dingen immer auch im Hinterkopf einen sogenannten "Plan B" mit zu entwickeln. Und damit wurde auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit trainiert.

Das Passerproblem hatten die Techniker bei der PolyGram auch. Doch da kam eben besagter "Plan B" zum Einsatz. Mit einem kleinen Trick wurde das Problem umgangen. Man verkleinerte bei der Produktion das Innenloch auf 12mm und setzte dann die fertigen Compact Disc unter einen Laserscanner, der die CD absolut genau mittelte und dann erst wurde das Mittelloch von 15mm gemäß den Standards ausgestanzt.
Somit war jede hergestellte CD, die alle Stufen der Qualitätssicherung innerhalb der festgelegten Toleranzen ohne Fehler überstand, auch nutzbar.

Achtung, hier werden noch einige Bilder dieser besonderen Herstellungsform der PolyGram kommen...!

 

 

Die "Mini Disc" von Telefunken als Alternative:

Neben den Entwicklungen und Versuchen bei Philips und Sony, die ja dann in dem gemeinsamen Standard Compact Disc mündeten, gab es auch alternative Vorschläge. So kam von Telefunken ein eigenes Disc-Format, dass dort "Mini Disc" genannt wurde.
Allerdings wurde diese Scheibe mit einem Durchmesser von 140mm mechanisch ausgelesen und nicht mit einem Laser. Diese "Mini Disc" hatte Nuten und sollte doppelseitig mit zweimal 60 Minuten Spielzeit eine Wiedergabequalität vergleichbar zur Compact Disc haben. So wurde zumindest behauptet.
Das wesentliche Argument aber war, dass für die "Mini Disc" keine neuen Fabriken benötigt würden, weil sie auf den vorhandenen Maschinen mit den gleichen Materialien wie bei der LP-Produktion herzustellen wäre. Weiterhin wurde behauptet, die "Mini Disc" weniger kosten würde in der Produktion als eine LP und etwa nur ein Drittel so viel wie die Herstellung der Compact Disc.
Aber letztendlich war das Problem der "Mini Disc" das Desinteresse der Musikindustrie, die zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Veränderung wollte. Kurios bei dieser Geschichte ist, dass dann Telefunken selbst nicht mehr an sein System glaubte und sogar dann der erste deutsche Lizenznehmer des neuen "CBS CX-Decoders" wurde. Mit den Möglichkeiten dieser neuen Technologie glaubte die Plattenindustrie eine Revolution in der Musikwiedergabe zu erreichen, die vergleichbar zur Compact Disc sein sollte. Allerdings hat die Geschichte gezeigt, die Realität hat sich anders entwickelt.
 
Anmerkung zum Decoder: Das CX (Compatible Expansion)-System von CBS wurde auf der IFA  1981 in Berlin vorgestellt. Es war eine Art elektronische Rausch-Unterdrückung, das beim Einsatz die Störgeräusche  reduzierte und die Dynamik um etwa 20dB erhöhte. Laut CBS würden dadurch alle Störgeräusche unterdrückt. Dabei würde die Musikwiedergabe eine Live-Qualität erreichen. Es würden keine neuen Plattenspieler benötigt, sondern lediglich eine kleine Decoder-Box (Preis rund 100 DM), die zwischen dem Plattenspieler und dem Verstärker eingesetzt wird. Die Plattenfirmen erwarteten durch dieses System eine Verlängerung der Marktfähigkeit der Schallplatte um viele Jahre.
 

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