Absehbar war eine Veränderung ja schön länger, da die kanadische Cinram-Gruppe durch den Verkauf an Technicolor ja so nicht mehr bestand. Die drei Betriebe in Frankreich, Deutschland und England wurden aber weiterhin unter dem Namen Cinram geführt. Auch weil sich bisher kein Interessent gefunden hatte. Im Jahre 2013 waren diese Betriebe von der Najafi Companies (einem Investor) übernommen worden, allerdings war das nicht auf Dauer vorgesehen.
 
 
Mit Wirkung vom 01.02.2017 ist es nun so weit, die Cinram Europa hat neue Eigentümer mit der 1847 Partners LLC. aus England und der GEM-Gruppe. Die "1847", wie sie in Kurzform genannt wird, ist eine "private equity company", die mit außerbörslichem Kapital arbeitet.
Nach dem Stand der Dinge wird Cinram in Alsdorf als der wichtigste Teil weiterhin Disc produzieren und den bestehenden Kundenstamm bedienen. Wobei zwischenzeitlich bekannt wurde, das Cinram ab Mitte des Jahres 2017 einen seiner wichtigsten Kunden (Universal Pictures) hier in Deutschland verlieren wird. Welche Auswirkungen das unter anderem auf die Arbeitsplatzsituation hat, steht heute noch nicht fest.
Der Verkauf an die 1847 hat auch personelle Auswirkungen für den Standort der Cinram in Alsdorf. Peter Lubberich, der seit dem Jahreswechsel 2013/2014 die Geschäftsführung inne hatte, ist seit dem 31.01.2017 nicht mehr in dieser Funktion. Cappi Frenger (langjähriger Vertriebschef bei Cinram) und der neue technische Geschäftsführer, Martin Kämper teilen mit, das es künftig eine Doppelspitze in der Geschäftsführung in Alsdorf gibt. Man hätte hier gerne weiterhin auf Peter Lubberich vertraut, aber sein Ausscheiden war offensichtlich auch mit persönlichen Gründen verbunden.
Zum "technischen" Geschäftsführer wurde mit Wirkung vom 01.02.2017 eben besagter Martin Kämper bestellt, der bereits 30 Jahre am Standort arbeitet und insbesondere durch seine Führungsaufgaben bei Cinram im technischen Bereich bestens geeignet ist. Der kaufmännische Geschäftsführer wird aktuell vom Managing Director Edward Tobin der 1847 gesucht und das wird sicher noch einige Tage dauern, bis dieser Posten besetzt ist. (1)
 
Der Standort Cinram in Aldorf ist für die Zukunft bestens gerüstet, weil dort insbesondere im Bereich Logistik und Distribution Entwicklungen und Lösungen in den letzten Jahren entstanden sind, die nicht nur für die Branche innovativ sind. Das hat auch dazu geführt, das am Standort auch zwischenzeitlich Dienstleistungen für branchenfremde Unternehmensbereiche entstanden sind.
Wie soll man diesen Deal bewerten? Gut, zunächst bedeutet das für den Standort Alsdorf einen Weiterbestand der Produktion und die Chance, auch weiter die Medienlandschaft bedienen zu können. Die schlechtere Alternative wäre eine Übernahme eines Gruppe aus der Branche gewesen, den das hätte auf Sicht aus Gründen der Synergie eine Schließung bedeutet. Denn innerhalb der Branche bestehen immer noch Überkapazitäten, auch weil die eingesetzte Technik immer leistungsfähiger und betriebssicherer geworden ist. Und so ist man bei einer Übernahme eigentlich nur an den großen Kunden und den hiermit verbundenen langfristigen Auslastungen der eigenen Produktion interessiert. Und dabei haben dann immer erst die bestehenden Standorte solcher Übernahmen den Vorrang.
Das Thema ist allerdings aktuell vom Tisch, weil "1847" in der Medienlandschaft weiter wachsen will. Gut für den Standort Alsdorf und Cinram ist für die Zukunft auch gut gerüstet. (2)
 
 
Anmerkung zur Cinram: Das Presswerk der Cinram in Alsdorf (nähe Aachen) wurde ursprünglich als Replikationswerk der Warner Gruppe in Deutschland unter dem Namen Record Service GmbH gegründet und replizierte zuächst Vinyl und MC. Mit dem Start der Compact Disc kam auch die CD hinzu und die Produktion von Schallplatten und Musikcassetten wurde eingestellt. Später erfolgte eine Umbenennung auf Warner Music Manufacturing (WMM) und dann auf Warner Music Manufacturing Europe (WMME). Zu diesem Zeitpunkt wurden auch DVDs und später auch BDs hergestellt bis zum weltweiten Verkauf aller Presswerke der Warner-Gruppe. Eine Produktion der 4K-UHD-BD erfolgt am Standort noch nicht.
Der Standort Alsdorf wurde von der kanadischen CINRAM-Gruppe gekauft und war dann auf sich selbst gestellt, als Universal Pictures in Nordamerika mit der Übernahme der Paramount-Vermarktung auch den Replizierer auf Technicolor umgestellt hatte. Die Produktion von CINRAM in Kanada wurde da auch durch Technicolor übernommen. Hiervon waren die Werke in Europa allerdings nicht betroffen und bei der Suche nach einem Eigentümer war dann die Najafi-Gruppe in Europa eingestiegen. Disc werden allerdings nur noch in Alsdorf hergestellt.
 
   
Nachtrag vom 20.04.2017:  
Am 19.04.2017 wurde vom Amtsgericht Aachen ein Eigenverantwortungsverfahren für die Cinram GmbH angeordnet. Dieses Verfahren war von Cinram selbst beantragt worden.
Ein solches Eigenverantwortungsverfahren ist eine gesetzlich geregelte Möglichkeit für verschuldete Unternehmen, die Unternehmensmasse unter Aufsicht eines Sachverwalters selbst zu verwalten. Zum vorläufign Sachverwalter wurde der Rechtsanwalt Dr. Frank Kebekus vom Amtsgericht Aachen bestellt.

Klaus Schramm
(1) Als Geschäftsführer ist neu Klaus Schramm eingesetzt worden, der bereits in den Jahren 2010 bis 2013 diese Position bei Cinram hatte. Seine Aufgabe wird es sein, Cinram auf den veränderten Markt der Home-Entertainment-Branche  neu eiinzustellen.
Hierbei wird er unterstützt von von den Restrukturierungsexperten Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner und Dr. Richard Scholz aus der Kanzlei Wellensiek als Generalbevollmächtigte.
(2) Unabhängig hiervon wird in der Pressemitteilung gesagt: "Der Betrieb von Cinram läuft im vollem Umfang weiter. Alle bestehenden Verträge mit Kunden werden erfüllt und die Aufträge zur Herstellung und zur Logistik-Dienstleistung an den Handel in elf Ländern Europas und an andere Logistikzentren weltweit werden planmäßig bearbeitet."
   
 
   
Quelle: Information der Cinram in Alsdorf
Web: www.cinram.de